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Antigravity A1: Die Drohne mit Rundumblick

Insta360 schickte mit der Antigravity A1 die erste 360-Grad-Drohne unter 250 Gramm gen Himmel. Der Test einige Monate nach Verkaufsstart lohnt, denn das große Frühjahrs-Update liefert nach, woran es zum Start noch haperte: mehr Sicherheit, mehr Komfort und schärfere Bilder.

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Wer die A1 zum ersten Mal startet, vergisst kurz das Luftholen. Man setzt sich die beiliegende Vision-Brille (nicht zu verwechseln mit der Vision Pro!) auf die Augen, hält den Grip-Controller wie einen Zauberstab in die Höhe – und schwebt. Nicht bloß „im Kopf“, sondern offenbar tatsächlich da oben über der Wiese. Die Brille zeigt einen Live-Stream des 360-Grad-Rundumblicks, den die Drohne jederzeit hat. Und weil hier Insta360s Technik-Erfahrung aus dessen gefeierten 360-Grad-Kameras drinsteckt, ist von der Drohne selbst im Bild nichts zu sehen. Wir fliegen quasi wie ein Hamster im Inneren einer Glaskugel und fühlen uns wie ein Vogel – mehr noch als beim Flug einer FPV-Drohne.

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249 Gramm, kompakt zusammenfaltbar, zwei 1/1,28-Zoll-Sensoren: Die A1 filmt 8K in jede Richtung, bleibt dabei selbst aber unsichtbar.
249 Gramm, kompakt zusammenfaltbar, zwei 1/1,28-Zoll-Sensoren: Die A1 filmt 8K in jede Richtung, bleibt dabei selbst aber unsichtbar. (Bild: Antigravity)

Die Steuerung wirkt anfangs skurril: Mit dem Grip-Controller zeigt man nach vorn, drückt den Triggerfinger – und die Drohne folgt. Soll sie nach oben, kippt man den Controller, für links oder rechts dreht man das Handgelenk. Diese sogenannte Freemotion-Steuerung trennt Bewegung von der Blickrichtung: Während die A1 stoisch nach Norden fliegt, dürfen wir per Kopfdrehung nach Süden schauen, ohne dass die Drohne ihren Kurs ändert. Wer einmal verstanden hat, dass eine Drohne nicht zwangsläufig dorthin schauen muss, wo sie hinfliegt, möchte dieses Freiheitsgefühl nicht mehr missen. Wer etwas forscher fliegen möchte, wechselt in den FPV-Modus: Der Controller fungiert dann wie ein klassischer Joystick: Ein Drücken nach vorn bedeutet Nicken, links und rechts bedeuten Rollen. Mehr Dynamik, weniger Schwebegefühl, und für Piloten mit FPV-Erfahrung der vielleicht überzeugendere Modus.

Im Alltag bedeutet das vor allem: einmal fliegen, alles filmen. Beim Spaziergang an der Förde haben wir die A1 fünf Minuten am Strand entlanggeschickt. Im Schnitt zogen wir aus demselben Clip eine Top-Down-Aufnahme der Brandung, einen Verfolgungsshot der Möwen und ein klassisches Querformat fürs Reel. Drei Drohnenflüge auf einmal, quasi zum Preis eines einzigen Akkus.

Das Kleingedruckte

Mit dem Standard-Akku wiegt die Antigravity A1 genau 249 Gramm (EU-Klasse C0). Ein EU-Kompetenznachweis ist für C0 nicht zwingend, eine Drohnen-Haftpflichtversicherung dagegen Pflicht. Weil die A1 eine Kamera trägt, müssen sich Fliegende beim Luftfahrt-Bundesamt registrieren und die e-ID an der Drohne anbringen. Beim FPV-Betrieb mit Brille ist ein Spotter Pflicht. Geflogen werden darf in der Unterkategorie Open A1: in Sichtweite, maximal 120 Meter über Grund, nicht über Menschenmengen, nicht in Geo-Zonen wie Flughäfen oder Naturschutzgebieten. Wer den Hochleistungs-Akku nutzt, überschreitet 250 Gramm und wechselt in Klasse C1 mit verschärften Regeln und Kompetenznachweis-Pflicht.

Die Technik: clever, aber mit Schwächen

Im Innern der A1 arbeiten zwei Bildsensoren im Format 1/1,28 Zoll, jeweils oben und unten an der Drohne platziert. Sie filmen 8K mit 30 Bildern pro Sekunde, schlaue Algorithmen flicken die beiden Halbsphären zur nahtlosen Kugel zusammen. Standfotos gelingen mit 55 Megapixeln. Das klang vor dem Test nach Marketing, hält sich aber im Schnittfenster: Auf 4K gerechnet bleibt die Bildqualität auch bei engen Crops überraschend tragfähig, zumindest bei Veröffentlichung via Social Media und bei Tageslicht gefilmt. Intern stehen hierfür 20 Gigabyte bereit, per microSD-Karte lässt sich bis zu 1 Terabyte nachrüsten.

Die Akkulaufzeit gibt der Hersteller mit 24 Minuten an, realistisch sind es bei Vollgas eher 16 bis 20. Wer den optionalen Hochleistungs-Akku einsetzt, holt bis zu 39 Minuten heraus, schiebt das Abfluggewicht damit allerdings auf 291 Gramm und damit aus der angenehmen Klasse C0 hinaus.

Die neue Software ist ein Hit

Mit dem großen Frühjahrs-Update der Firmware liefert Antigravity nach, woran es zum Marktstart fehlte und uns mit dem Testen warten ließ. Die Hinderniserkennung arbeitet nun nämlich endlich omnidirektional, nicht mehr nur nach vorn und unten. Ein Praxisbeispiel für die Wirkung des Updates: Bei einem Testflug durch einen Wald mit eng stehenden Bäumen hatten wir uns mit dem Kopf nach links verdreht, während die A1 frontal weiterflog. Vor dem Update wäre das möglicherweise unangenehm geendet. Nach dem Update bremste die Drohne sanft vor einem Ast ab, den wir gar nicht gesehen hatten. Eine willkommene Absicherung, vor allem im Freemotion-Modus, in dem Blick- und Flugrichtung gerne divergieren. Hinzugekommen sind zudem Sprachbefehle (auf Englisch und Chinesisch, deutsche Kommandos fehlen), eine Zeitraffer-Funktion in den programmierten Sky-Path-Routen und ein neuer Auto-Edit, der aus den Rundumaufnahmen selbsttätig Kurzclips zaubert. Die Wegpunkte lassen sich nun zudem jeweils mit eigenem Kamera-Winkel versehen. Der Virtual-Cockpit-Modus indes ist eine nette Spielerei, in dem sich die Drohne in einen Drachen oder ein Sportflugzeug verwandelt. Klingt albern, bereitet aber großen Spaß und ist überraschend lehrreich für Einsteigende.

Die Bildqualität gewann mit dem Update sichtbar an Schärfe in dunkleren Bildbereichen. Nicht in der Dimension eines Quantensprungs, aber bei Gegenlichtaufnahmen ein angenehmes Plus. Auch das interne Flug-Simulationstraining in der Brille, das Antigravity bereits Anfang Frühjahr nachgereicht hat, sortieren wir hier ein: Es nimmt Ungeübten beherzt die Hemmschwelle vor dem ersten Außeneinsatz.

Ein Vorbehalt, den wir nicht übergehen wollen: Alle Aufnahmen landen im proprietären INSV-Format an, das weder Final Cut Pro noch DaVinci Resolve nativ lesen können. Der Export über die Antigravity-App oder Antigravity-Studio ist damit Pflicht. Im Hobbybereich kein Drama, wer täglich mit einer gewohnten Timeline arbeiten möchte, plant diesen Umweg ein und ärgert sich durchaus.

Wer braucht überhaupt 360-Grad?

Die A1 ist keine klassische Drohne. Wer auf 10-Bit-Aufnahmen, Log-Profile und durchprofessionalisierte Farbpipelines angewiesen ist, schaut daher anderswo. Auch wer bloß den Familien-Schnappschuss aus der Luft möchte, greift besser zu einem klassischen Modell, etwa der bewährten DJI Mini 5 Pro: Sie ist günstiger, einfacher zu fliegen und kommt ohne Brille aus. Bei ähnlicher Qualität günstiger ist DJIs neue Lito X1.

Ihren wahren Charme entfaltet die Antigravity A1 dort, wo du Geschichten in Bewegung erzählen willst, etwa als Reise-Vlogger, der einmal sauber durch eine Schlucht fliegen und im Schnitt drei Perspektiven zugleich braucht oder für Familien, die das Hochzeitsfest später noch einmal in 360 Grad abschreiten möchten. Für sie ist die A1 ein Werkzeug, mit dem das Drehbuch auch noch nach der Aufnahme entstehen kann.

Der Controller fungiert als „Zauberstab“: Wohin die A1 fliegen soll, zeigt man im Wortsinn einfach an.
Der Controller fungiert als „Zauberstab“: Wohin die A1 fliegen soll, zeigt man im Wortsinn einfach an. (Bild: Antigravity)

DJI oder Antigravity?

Die einzige ernsthafte Alternative im 360-Grad-Drohnen-Segment trägt den Namen DJI Avata 360. Sie filmt 8K mit 60 statt 30 Bildern pro Sekunde, beherrscht das D-Log-M-Profil mit 10 Bit und liefert dank größerer Sensoren im Format 1/1,1 Zoll das messbar sauberere Bild, besonders in der Dämmerung.

Auch beim Preis punktet DJI: Solo gibt es die Avata 360 für 459 Euro, das Paket mit Brille und Zusatzakkus kostet 939 Euro und unterbietet das günstigste Antigravity-Bundle. Sie ist mit eingebauten Propellerschützern robuster und akzeptiert auch eine klassische Funksteuerung ganz ohne Brille (für den Sommer wurde zwischenzeitlich eine Funke für die A1 in Aussicht gestellt). Im Gegenzug wiegt sie 455 Gramm und fällt unweigerlich in Klasse C1 mit entsprechend strengeren Auflagen. Hinzu kommt ein Vorteil, der sich im Alltag aufsummiert: DJIs Übertragungssystem O4+ stützt sich auf Jahre erprobter Praxis, die A1 indes ist als Drohnenplattform noch jung, und das spürt man bei der Signalstabilität in bebautem oder verwinkeltem Terrain gelegentlich.

Pluspunkte der A1 bleiben: Sub-250-Gramm-Klasse, der faltbare Korpus, eine Brille mit Außendisplay für mitlaufende Beobachter und eine softwareseitig gefälligere Nachbearbeitung basierend auf dem Know-how von Insta360. Die Avata 360 wiederum punktet mit besserer Bildqualität, höherer Reichweite und dem attraktiveren Einstiegspreis.

Musste erst reifen

Die Antigravity A1 ist die ungewöhnlichste Drohne der vergangenen Jahre und nach dem großen Frühjahrs-Update so erwachsen, wie sie zum Marktstart hätte sein sollen. Wer bereit ist, mit der Brille und dem ungewohnten Controller einen längeren Lernkurven-Tag zu verbringen, bekommt ein Erlebnis, das mit klassischen Quadkoptern nur wenig zu tun hat: fliegen ohne Mikromanagement, filmen ohne Reue – eine kleine Schummelei in Sachen Schwerkraft quasi im Wortsinn. Nicht restlos überzeugt hat uns die Bildqualität, der proprietäre Exportweg kostet bei professionellen Workflows Zeit, und der Preis ist stattlich. Anmut und Spielfreude aber sprechen unbedingt für die A1.

Stefan Molz // Chefredakteur
Stefan Molz

Stefan beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Computern – angefangen beim „Brotkasten", dem C64, und Amiga 500, lange bevor Apple-Geräte seinen Alltag bestimmten. Der eigentliche Einstieg in die Mac-Welt führte über die Musikproduktion: Über die Magazine Keyboards, Keys und Beat führte ihn sein Weg schließlich zur Mac Life, deren Website er seit 2007 verantwortet. Seit 2023 ist er zudem Chefredakteur des gedruckten Magazins.

Besonders faszinieren ihn die Schnittstellen zwischen Technik und Kreativität – vom Mac als Werkzeug für Musik, Foto und Video hin zu neuen Apple-Technologien wie Vision Pro oder KI-Funktionen. Wenn Stefan nicht gerade neue Apple-Hardware testet, fotografiert er mit Vorliebe aus ungewöhnlichen Perspektiven, gerne per Drohne oder seiner Mittelformatkamera.

Neben der Redaktion ist er außerdem Host des Apple-Podcasts „Schleifenquadrat". Seine Begeisterung für Musik & Sounds begleitet ihn bis heute. Kein Wunder, denn Anfang der 2000er-Jahre etwa wirkte er unter anderem an Samples mit, die Teil von Logic Pro wurden.

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Fazit

Originelles 360-Grad-Konzept, das mit dem Frühjahrs-Update endlich abhebt. Teuer, aber ein einzigartiges Flugerlebnis.

Testergebnis
ProduktnameAntigravity A1
HerstellerAntigravity
Preis1399 €
Webseiteantigravity.tech
Pro
  • + faltbares Design unter 250 Gramm
  • + Brille mit Außendisplay für Beobachter
  • + echte 360-Grad-Aufnahmen
  • + intuitive Steuerung
  • + gute Bearbeitungssoftware
  • + großes Frühjahrs-Update stärkt Vertrauen in Hersteller
Contra
  • - hoher Einstiegspreis
  • - externer Brillen-Akku am Kabel
  • - proprietäres INSV-Format
  • - kein 8K mit 60 Bildern
  • - keine deutsche Sprachsteuerung
  • - klassische Bildqualität schlechter als bei DJI Avata 360
Bewertung
2gut

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